Der Grossteil der Familien in der Region Naters besass Vieh, das den Sommer auf den höher gelegenen Alpweiden verbrachte. Auch auf den Alpstafeln Bäll und Lüsga auf der Belalp wurden die Tiere gesömmert und die Milch vor Ort zu Käse verarbeitet. Beide Alpstafeln sind seit Jahrhunderten im Besitz der Burgerschaft.
«Wir haben selber rund 20 Kühe auf der Alp, und ich bin jedes Jahr beim Alpwerk dabei. Dieses Jahr habe ich bei meiner Arbeit frei genommen, um dabei zu sein.»
Die Alpweiden sind kein Privateigentum einzelner Personen, sondern gehören der Burgerschaft und sind damit Gemeineigentum der Burger. Einzelne Familien besassen eigene Alphütten, die sie im Sommer bewohnten und die sich im Baurecht in Privateigentum befanden. Ebenfalls in Privatbesitz waren kleine Parzellen von Alpmatten. Eine Steinmauer trennte die privaten Alpmatten von den gemeinschaftlichen Alpweiden.
In früheren Zeiten verarbeitete jede Familie die Milch in ihrer eigenen Alphütte, bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine Genossenschaftssennerei gegründet wurde. Auf den Burgeralpen Bäll und Lüsga versorgte jede Familie – meist die Frauen – bis 2003 ihr Vieh selbst. Die Milch wurde in der Sennerei gemeinschaftlich zu Käse und Butter verarbeitet. Während der Alpsaison wurden Käse und Butter zweimal entsprechend dem Milchertrag der Kühe an die Besitzerfamilien verteilt.
Die Burgerschaft war für die Organisation des Alpbetriebs sowie für anfallende Arbeiten und die Verteilung von Holz aus dem Burgerwald zuständig. Die Burgerversammlung bestimmte den «Burgersäckelmeister», der die Alpfahrt festlegte, die Alpbestossung kontrollierte und für das Alpwerk und die Abrechnung zuständig war. Der Alpbetrieb begann meist Mitte Juni und dauerte bis Anfang September.
Die Burgerfamilien von Naters und dem Natischerberg hatten Alprechte auf den Burgeralpen Bäll und Lüsga und durften eine bestimmte Anzahl Vieh auf den Alpen sömmern. Als Gegenleistung verpflichteten sie sich zur Bezahlung eines «Krautgeldes» sowie zur Mitwirkung am «Alpwärch». Zu den Arbeiten des Alpwerks gehörten das Reparieren von Zäunen, der Unterhalt von Wegen, die Instandhaltung der Wasserleitungen sowie gemeinsame Bauarbeiten.
«Seit ich mich erinnern kann, bin ich beim Alpwerk dabei. Auch wenn ich schon lange kein eigenes Vieh mehr besitze, mache ich jedes Jahr wieder mit.»
Seit 2003 wird die Alp Bäll von der Alpgenossenschaft Bel betrieben, welche die Alp von der Burgerschaft pachtet. Die Alpgenossenschaft ist heute auch für die Organisation des Alpwerks verantwortlich, das jeweils gegen Ende der Alpsaison im September stattfindet.
Früher gehörte auch das «Pliddern» zu den gemeinschaftlichen Alpwerksarbeiten. Dabei wurde Mist mit Wasser vermischt und über die Wasserleitungen auf den Alpweiden verteilt. Abwechselnd düngte man so in einem Jahr die privaten Alpmatten und im nächsten die gemeinschaftlichen Alpweiden. Zudem wurden die Kuhfladen auf den Alpweiden von Hand mit der Heugabel zerkleinert und als Dünger verteilt. Heute wird der Mist mit Maschinen auf den Alpweiden ausgebracht.