Blickpunkt

Alp Bäll - die Burgeralp

Die Alpe Bäll mit den Alphütten der beide Stafel. Foto: ETH Archiv
Die Alpe Bäll mit den Alphütten der beide Stafel. Foto: ETH Archiv

Mit einer Fläche von fast 900 Hektaren ist die als Rindviehweide nutzbare Fläche auf der Belalp eines der grössten zusammenhängenden Weideareale im Oberwallis. Das Weidegebiet befindet sich oberhalb der Waldgrenze auf 2’000 bis 2’600 Metern über Meer. Seit dem Mittelalter wird im Wallis das Vieh zum Sömmern auf hochgelegene Alpweiden getrieben. Die Alpen auf der Belalp sind seit Jahrhunderten im Besitz der Burgerschaft Naters. Die Alpweiden sind kein Privateigentum einzelner Personen, sondern gehören den Burgern gemeinsam.

Die Burgerfamilien von Naters und dem Natischerberg hatten Alprechte auf den Burgeralpen Bäll und Lüsga und durften eine bestimmte Anzahl Vieh auf den Alpen sömmern. Als Gegenleistung verpflichteten sie sich zur Bezahlung eines «Krautgeldes» sowie zur Mitwirkung am Alpwerk. Die Alphütten befinden sich im Baurecht in Privateigentum. Die Burgerversammlung von Naters wählte den «Burgersäckelmeister», der für das Alpwerk und die Abrechnung zuständig war und das Datum der Alpfahrt festlegte. Der Alpbetrieb begann meist Mitte Juni und dauerte bis Anfang September.

Frau mit dem beim Käsen in der Alphütte (Foto: Erdmann)
Frau mit dem beim Käsen in der Alphütte (Foto: Erdmann)

«Schon als kleiner Bub war ich mit meiner Grossmutter auf der Alpe Bäll und musste melken, die Kühe holen und den Stall putzen.»

Medard Jossen aus Naters, 1959
Medard Jossen beim Alpwerk 2025. Foto: VLG
Medard Jossen beim Alpwerk 2025. Foto: VLG

Die Alpsaison auf der Belalp war seit jeher vor allem Frauensache. Während die Männer und älteren Kinder weiter unten am Berg langsam bergaufwärts das Heu ernteten und die Wiesen, Äcker und Gärten bewässern mussten, verbrachten die Frauen und jüngeren Kinder den Sommer in den Alphütten auf der Belalp. Neben Milchkühen wurden dort auch Schweine und Hühner gehalten.

Jeden Morgen wurden die Kühe gemolken und auf die Alpweiden getrieben und die Milch die Sennerei gebracht. Käse und Butter diente vorwiegend dem Eigengebrauch der Familien und wurde zweimal während der Alpsaison entsprechend der Milchmenge  an die Besitzerfamilien verteilt. Die Kinder halfen beim Melken und bei der Stallarbeit. Am späteren Nachmittag mussten sie die Kühe aus Höhen von bis zu 2’500 m holen, um sie erneut zu melken und über Nacht einzustallen.

Frauen holen frisches Gras in den Alpmatten für das Vieh
Frauen holen frisches Gras in den Alpmatten für das Vieh

Jakobsfest

Am letzten Sonntag im Juli wurde das Jakobsfest gefeiert, das vom Jakobsverein organisiert wurde. An diesem Tag bekamen die Kinder von ihren Taufpaten einen Lebkuchen zugeschickt. Am Morgen gab es einen Gottesdienst und am Abend wurde im Freien getanzt. Es war Brauch, dass bis zu diesem Tag nur Frauen und Kinder auf der Alp wohnten. Erst zum Jakobsfest kamen auch die Männer. Dann wurden auch die Alpmatten gemäht, damit man etwas Futter hatte, falls es vor der Alpabfahrt plötzlich schneien sollte und das Vieh so noch Futter hatte.

 

Jakobsfest in d1950er Jahren (Foto: Erdmann)
Jakobsfest in d1950er Jahren (Foto: Erdmann)

Erleben Sie die Alpwirtschaft hautnah!

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Weiterführende Links:

Frauen auf der Belalp in der Sendung «Chum und lueg» aus dem SRF Archiv (1986):

Chum und Lueg 1986 SRF Archiv