Blickpunkt

Speicher «Hiesigs»

Der «Spiicher» war das Vorratshaus der Bergbauernfamilien und diente der sicheren Aufbewahrung der wertvollsten Lebensmittel und Besitztümer. Hier lagerte man Getreide und Mehl, stapelte Roggenbrote auf senkrechten Brotleitern und hängte Dörrobst und Trockenfleisch auf. Viele «Spiicher» in Blatten werden auch heute noch zum Trocknen von Trockenfleisch genutzt.

«Mich fasziniert, wie aus so wenig – Fleisch, Salz und Zeit – durch die Kraft der Natur etwas so Intensives und Einzigartiges, wie das Trockenfleisch, entstehen kann.»

Beat Aeschlimann

Der Speicher und der Stadel sehen sich oft zum Verwechseln ähnlich, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen. Der «Spiicher» ist meist kompakter und verfügt über mehrere verschliessbare Türen. Die Blockbauweise aus Lärchenholz mit dicht gefügten Balken schützt den Inhalt vor Wind und Feuchtigkeit. Kleine Fenster und Ritzen sorgen für eine gute Belüftung und ein trockenes, ausgeglichenes Raumklima.

Die Luftlöcher sorgen für eine gute Durchlüftung.
Die Luftlöcher sorgen für eine gute Durchlüftung.

Raumklima

Im Sommer blieb es im Innern deutlich kühler als im Freien, während das Holz im Winter vor starken Temperaturschwankungen schützte. Entscheidend war weniger eine möglichst tiefe Temperatur als ein stabiles und trockenes Raumklima. Die Lärchenholz-Blockbauweise und die natürliche Belüftung trugen dazu bei, die Vorräte vor Feuchtigkeit und Schimmel zu schützen. Für Roggenbrot, Getreide, Trockenfleisch und Hülsenfrüchte waren diese Bedingungen besonders geeignet.

Die Holzstützen mit den typischen Mäuseplatten aus Stein verhindern, dass Mäuse und andere Nagetiere in den Speicher gelangen.
Die Holzstützen mit den typischen Mäuseplatten aus Stein verhindern, dass Mäuse und andere Nagetiere in den Speicher gelangen.

Walliser Trockenfleisch

Nach der Hausschlachtung im Spätherbst wurde ein Teil des Fleisches eingesalzen, gewürzt und anschliessend zum Trocknen aufgehängt. So konnte es über längere Zeit haltbar gemacht werden. Jede Familie hatte dabei ihre eigenen Hausrezepte und Methoden zur Würzung und Herstellung des Trockenfleisches. Die eingesalzenen Fleischstücke wurden im «Spiicher» bis Ende April aufgehängt und anschliessend im Keller gelagert, wo sie teilweise bis ins folgende Jahr haltbar blieben. So stand auch im Winter und Frühjahr Fleisch zur Verfügung.

Für die Fleischverarbeitung wurden vorwiegend Rindfleisch, aber auch Schweine- und Schaffleisch verwendet. Aus dem Schwein stellte man unter anderem «Hamma» (Rohschinken), Speck und Würste her. Rindfleisch eignete sich besonders für die Herstellung des heute bekannten Walliser Trockenfleisches.

«Hiesigs» aus der Region

Wie in vielen anderen «Spiicher» in Blatten wird auch in diesem Gebäude heute noch Trockenfleisch gelagert. Eine Initiative von Slow-Food-Enthusiasten, Belalp-Tourismus und der Gemeinde Naters setzt sich dafür ein, dieses wertvolle Handwerk und die damit verbundene Tradition für die Zukunft zu bewahren.

Beat Aeschlimann («Hiesigs») hängt Fleisch zum Trocknen auf.
Beat Aeschlimann («Hiesigs») hängt Fleisch zum Trocknen auf.