Blickpunkt

Kapelle St. Theodul

Theodulskapelle mit alten Schulhaus.
Theodulskapelle mit alten Schulhaus.

Historisch war Blatten nicht einfach ein kleines Bauerndorf, sondern entwickelte sich zum kirchlichen Mittelpunkt des Natischerbergs. Im 15. Jahrhundert bildeten die verschiedenen Geteilschaften und Geschnitte des Natischerbergs die Gumperschaft Rischinen. Rischinen war das politische Zentrum, während Blatten mit seiner Kapelle die kirchliche Bedeutung übernahm. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Gumperschaften Rischinen und Naters vereinigt.

Die Theodulskapelle wird erstmals 1480 erwähnt. Im 17. Jahrhundert wurde sie vergrössert und neu ausgerichtet. Rund um die Kapelle entstand der historische Dorfkern mit Wohnhäusern, Ställen, Stadeln und Speichern. Hier trafen sich die Bergbauern zur Sonntagsmesse. Während der Sommermonate wurde die Messe hingegen sonntags auf den Alpen Bäll und Lüsga gelesen. In der Kirche sassen die Frauen links und die Männer rechts.

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Waldemir erinnert sich ans Messdienen.

«Heilige Sunntag» – Arbeiten verboten!

Die Sonntagsruhe hatte im katholisch geprägten Wallis einen hohen Stellenwert. Landwirtschaftliche Arbeiten wie Mähen, Heuen oder Wässern waren grundsätzlich untersagt. Nur wenn schlechtes Wetter die Ernte gefährdete oder eine Arbeit dringend notwendig war, wurden Ausnahmen gemacht. Die Erlaubnis dazu wurde vom Pfarrer in der Sonntagsmesse verkündet. So konnte beispielsweise das Einbringen des Heus am Sonntag erlaubt werden. Die Versorgung und Pflege des Viehs hingegen war auch sonntags gestattet.

Kaplan Tscherrig mit Kirchbesuchern auf dem Kapellenplatz, 1930. (Foto: Emil Brunner)
Kaplan Tscherrig mit Kirchbesuchern auf dem Kapellenplatz, 1930. (Foto: Emil Brunner)

Kapellenplatz – Ort der Verkündungen

Die Sonntagsmesse war ein wichtiger sozialer Treffpunkt für die Bauern aus den verstreuten Weilern. Hier traf man sich und tauschte Neuigkeiten aus. Nach der Messe gingen die Männer zu einem Trunk ins nahe gelegene Wirtshaus, während sich die Frauen zum «Hängert» auf dem Platz trafen.

Nach der Sonntagsmesse fanden auf dem Stein am Kapellenplatz öffentliche Verkündungen der Gemeinde, der Burgerschaft oder der Geteilschaften statt. Dort wurden unter anderem der Tag der Alpfahrt oder die Zuteilung des «Los-Holzes» bekannt gegeben.

Glocken der Kapelle

Die Kirchenglocken bestimmten den Tagesrhythmus und waren ein weithin hörbares Kommunikationsmittel. Sie riefen zur Messe und zum Gebet, verkündeten Sonn- und Feiertage, Geburt und Tod und warnten bei drohender Gefahr. Die Totenglocke, die den Tod eines Menschen bekannt gab, folgte einem bestimmten Läutmuster, an dem man erkennen konnte, ob eine Frau oder ein Mann verstorben war. Morgens, mittags und abends gab das Glockenläuten den Menschen zudem zeitliche Orientierung bei ihrer täglichen Arbeit.

Hören Sie die Glocken der Theodulskapelle von Blatten hier.