Das Äussere Aletschji auf rund 1750 m ü. M. war eine der höchstgelegenen Voralpen der Region. Mehrere Familien weilten hier mit ihrem Vieh jeweils für einige Wochen vor der Alpsaison. Sobald der Schnee geschmolzen war und die Wiesen genügend Futter boten, zogen sie von den tiefer gelegenen Weilern auf die Voralpe. Dabei zügelten die Familien einen Teil ihres Hausrats mit sich. Neben Kleidern nahmen sie auch Lebensmittel und wichtige persönliche Gegenstände mit.
«Wir waren immer im Juni und September ein paar Wochen hier auf der Voralpe. Wir hatten hier sogar kleine Äcker, auf denen wir Salat und Kartoffeln pflanzten.»
In den privaten Alphütten im «Üsser-Aletschji» wohnten früher bis zu 15 Familien, meist die Mütter mit ihren jüngeren Kindern, für ein paar Wochen. Jede Familie hielt hier ihr eigenes Vieh und verarbeitete die Milch in der eigenen Alphütte zu Hauskäse und Butter. Die Väter und älteren Geschwister waren weiter unten im Tal mit Wässern und Heuen beschäftigt. Abends traf man sich zum «Abusitz». Im Herbst fand jeweils bei einer Familie die gemeinsame «Fleischkoch» statt, zu der alle Familien eingeladen wurden.
Die Voralpe war eine wichtige Zwischenstufe zwischen dem Tal und der Hochalpe im jahreszeitlichen Nomadenleben der Bergbauern der Region. Im Frühling wurde das Vieh vom Tal auf die Voralpe getrieben, wo bereits genügend Gras wuchs. Im Sommer zog es weiter auf die höher gelegene Alp. Im Herbst führte der Weg wieder über die Voralpe zurück. Dort nutzte man das inzwischen nachgewachsene Gras als Futter, bevor es wieder hinunter ins Tal ging. Auf diese Weise konnten die Weideflächen in den verschiedenen Höhenlagen optimal genutzt werden.
Die zahlreichen Voralpen lagen verstreut am Natischer Berg auf einer Höhe zwischen 1400 und 1700 m ü. M. Im Gegensatz zu den Alpweiden der Hochalpen, die im Besitz der Burgerschaft waren, befanden sich die Voralpen in Privatbesitz. Dort besassen die Familien eigene Alphütten, kleine Äcker sowie Mäh- und Weidewiesen. Eine Familie hielt meist ein bis drei Kühe, Schweine sowie einige Schafe und Ziegen. Die Schafe und Ziegen blieben bis im Juni bei den Familien auf der Voralpe, bevor man sie auf die freien Weiden im Inner-Aletschji ziehen liess.