Dieser imposante «Spiicher» ist der grösste Speicher von Blatten und zeichnet sich durch seine Grösse und die schmucken Holzverzierungen aus. Charakteristisch für die Speicher ist der erhöhte Bau auf kurzen Holzstützen mit den typischen Mäuseplatten aus Stein. Sie verhindern, dass Mäuse und andere Nagetiere in den Speicher gelangen. Kleine Fenster und Ritzen sorgen für eine natürliche Belüftung und ein trockenes, ausgeglichenes Raumklima. Das sind ideale Bedingungen, um Vorräte über viele Monate oder sogar Jahre haltbar zu lagern.
Wie alle Gebäude in Blatten war auch dieser «Spiicher» im Besitz mehrerer Familien, «Partije», und wurde gemeinschaftlich genutzt. Jedes Stockwerk war in mehrere Kammern unterteilt, die mit abschliessbaren Türen versehen waren. Die Kammern gehörten entweder einer Familie allein oder wurden gemeinsam genutzt. Jede Familie hatte ihren eigenen Bereich zur Aufbewahrung von Vorräten wie Roggenbrot und Getreide sowie zum Trocknen von Fleisch. In Truhen bewahrte man zudem Kostbarkeiten wie Schmuck, Dokumente und Sonntagskleider auf. An den Wänden hängte man die Trachten auf.
Im Oberwallis führte das Realteilungsrecht dazu, dass der Besitz einer Familie – Boden und Anteile an Gebäuden – unter allen Erbberechtigten aufgeteilt wurde. Jedes Kind erhielt einen gleichwertigen Anteil am Erbe. Dadurch wurden die Grundstücke über Generationen immer stärker zerstückelt und die Gebäudeanteile immer kleiner.
Es gibt Gebäude in Blatten die bis zu 32 Eigentümer:innen hatten. Dieser Stadel mit vier abschliessbaren Abteilen gehörte heute 13 Besitzer:innen, die jeweils unterschiedliche Anteile besitzen:
Im Speicher wurde das Roggenbrot gelagert, das dadurch mehrere Monate haltbar blieb. Das Brot wurde nicht einfach aufeinandergestapelt, sondern häufig auf speziellen Brotleitern oder hölzernen Gestellen gelagert oder aufgehängt. So konnte die Luft zirkulieren und das Brot blieb trocken. Durch den Sauerteig und den hohen Roggenanteil trocknete es langsam aus, ohne zu schimmeln. Mit der Zeit wurde es hart und vor dem Essen deshalb oft in Milch, Kaffee oder Suppe eingeweicht. So liess sich selbst mehrere Monate altes Brot noch gut verwenden.