Blickpunkt

Der Burgerwald der Blattner Allmei

Der Wald war für die Menschen in Blatten eine lebenswichtige Ressource. Holz wurde als Baumaterial und Energiequelle genutzt. Aus Lärchen- und Fichtenholz entstanden Wohnhäuser, Stadel, Speicher, Ställe und Werkzeuge, während Brennholz zum Kochen und Heizen diente. Teile der Wälder wurden zudem als Weideflächen genutzt, und Laub oder trockene Nadeln dienten als Einstreu im Stall.

Besonders die Lärche spielte im Hausbau eine wichtige Rolle. Ihr Holz ist dauerhaft und witterungsbeständig und eignet sich deshalb hervorragend für Blockbauten. Viele der charakteristischen Oberwalliser Holzhäuser erhielten durch die Verwitterung des Lärchenholzes ihre typische dunkle Färbung.

«Holz war überlebenswichtig. Wenn eine Familie wenig Brennholz hatte, war das sehr schwierig. Holzarmut war das Schlimmste.»

Anton Schnydrig, ehemaliger Waldpräsident Burgerschaft Mund
Bretter sägen mit der Holzsäge in Blatten.
Bretter sägen mit der Holzsäge in Blatten.

«Los-Holz»

Da Holz nicht unbegrenzt verfügbar war, musste der Wald sorgfältig bewirtschaftet werden. Der grösste Teil der Wälder rund um Blatten war Burgerwald und gehörte der Burgerschaft. Diese regelte die Nutzung der Wälder. Jede Burgerfamilie hatte das Recht auf sogenanntes «Los-Holz». Der Förster markierte die Bäume im Wald, welche die Berechtigten fällen und nutzen durften. Am Sonntag nach der Messe wurden die Lose auf dem Kapellenplatz verteilt. Wer das Holz nicht selbst benötigte, konnte sein Los auch verkaufen.

Moritz Eyer beim Bearbeiten von Holz in Blatten.
Moritz Eyer beim Bearbeiten von Holz in Blatten.

Blattner Allmei

Die Blattner Allmei rund um das Dorf umfasst lichte Waldweiden, die durch eine trockene, steile und teilweise felsige Topografie geprägt sind. Sie ist bis heute Gemeinschaftseigentum der Burgerschaft Naters. Die Nutzung der Allmei war vielfältig: Sie diente insbesondere als Weidefläche sowie zur Gewinnung von Laub und Ästen, die als Futter und Einstreu für das Vieh verwendet wurden.

«Als Schulknabe musste ich jeden Tag zwei bis drei Stunden die Ziegen in der Allmei hüten. Die Milch schmeckte besonders kräftig, wenn die Ziegen auf der birkigen Allmei geweidet hatten.»

Nellen Fdi

Im Sommer behielt man meist eine Ziege, die «Hüssgeiss», im Dorf zurück, während das übrige Vieh auf den Alpen weidete. So stand auch im Dorf täglich etwas Milch zur Verfügung. Die Dorfziegen wurden meist gemeinsam auf die Wald- und Weideflächen der Allmei getrieben. Ein oder mehrere Hirten, meist junge Knaben, beaufsichtigten die Tiere und mussten darauf achten, dass sie nicht in die Äcker und Gärten gelangten.

«Fäscha» – Laub als Winterfutter

In der Allmei sammelte man auch Laub und Äste. Mitte August wurden die Blätter und feinen Äste der Eschen «Fäschescha» abgeschlagen, gebündelt und zum Trocknen auf der Laube aufgehängt. Die getrocknete «Fäscha» diente im Winter als zusätzliches Futter für das Kleinvieh. Auch Ahornlaub wurde gesammelt und getrocknet und konnte im Winter als Einstreu im Stall verwendet werden. Dafür gab es unter anderem sogenannte Laublöcher, in denen das Laub gelagert wurde. Aus Birkenästen wurden zudem Besen hergestellt, die als Stallbesen dienten.

Video
Waldemir erzählt vom «Löibu».